Martin J.J. Kirstein
Martin J.J. Kirstein lebt und arbeitet in Winnenden
Geboren 1939 in Hamburg. 1955 - 1960 letzter Meisterschüler des Hamburger "Staatsbildhauers" , dem Plastiker Richard Kuöhl. Besuch der Werkkunstschule am Lerchenfeld. Steinmetz- und Bildhauerlehre. 1964 - 1967 Assistent von Prof. Kurt Schwertfeger, Hildesheim. Hinwendung zur Schriftgestaltung, Kalligraphie. 1968 - 1970 Besuch der Meisterschule für Bildhauer und Steinmetze in Aschaffenburg. Begegnung mit dem Schriftkünstler Ernst Vollmer. 1970 Übersiedlung nach Winnenden. Übernahme der Steinmetzwerkstatt Diener samt dazugehörigem Steinbruch. Ca. zwei Jahre Werklehrer für die Paulinenpflege Winnenden. 1974 - 1986 stark anteilig in Griechenland tätig als Werklehrer und Bildhauer. Ab 1986 verstärkte Hinwendung zur Plastik. Seitdem zahlreiche Ausstellungen und Aufträge für den öffentlichen Raum. Witz und Poesie in den Plastiken stehen Strenge, Ernst und Kontemplation in den Skulpturen gegenüber. In neueren Arbeiten sieht man den Versuch, beides collagenhaft zu verbinden. *** Das, was in Worten so bildhaft nicht ausgedrückt werden kann: der Kreislauf Werden und Vergehen, ist der Sinn des Lebens. Auf seine Weise will Martin Kirstein diese unsere Daseinsform geistig bewältigen, und er bemüht sich, einen religiösen oder moralischen Gefühlszustand künstlerisch, schöpferisch darzustellen. Ob er plastisch, figürlich in Bronze oder stark vereinfachend in Stein arbeitet, alles entspringt seiner Einbildungskraft. Will er mehr beim Inhalt verweilen als bei der Form? Er entscheidet frei über den Einsatz seiner künstlerischen Einfälle. Carlo Abizatti, Locarno Martin Kirstein ist einer, der weiß, dass er sich zu Recht Bildhauer nennt und der sich doch stolz zu seinem Steinmetzzeichen bekennt. Vielfach ausgezeichnet, bei Qualitätszeichen, Wettbewerben und bei Bundesgartenschauen usw. tragen seine Steinarbeiten seine unverkennbare Handschrift. Daß ihm die plastische Arbeit ebenso liegt wie die Skulptur zeigen seine Arbeiten in Bronze. Karl Bauer-Callwey, Verleger Immer auf der Suche nach der perfekten Form. Martin Kirsteins Plastiken sind in aller Regel in harmonischen Linien realisiert und von großer Schönheit. Seine Formen haben ihren Ursprung in seiner instinktiven Haltung gegenüber der ihn umgebenden Welt, die der Bildhauer exemplarisch und philosophisch in Modelle menschlicher Komik oder Tätigkeiten umsetzt. Mit der Skulptur "Die Nachbarin" z. B. ist es ihm gelungen, das Bild einer über eine Brüstung gelehnten Frau darzustellen, die gespannt darauf wartet, Dinge über andere Menschen zu erfahren. Kirstein geht es darum, menschliche Eigenschaften positiv zu interpretieren und hervorzuheben... Immer auf der Suche nach der perfekten Form, nach plastischer Dichte und nach wohldurchdachter Einfachheit schafft dieser Bildhauer realistische und inhaltlich bedeutende Werke. Guiseppe Bertolazzi Im Bereich der figürlichen Plastik ist Baden-Württemberg, der Wahlheimat Martin Kirsteins, des gebürtigen Hamburgers, kein armes Land. Ein Künstler, der sich hier niederlässt und arbeitet und in Konkurrenz tritt, muss sich seines Könnens sehr sicher sein. Kirstein trägt diese Sicherheit nicht verbal nach außen. Das entspräche seinem freundlichen, aber etwas spröden Naturell auch gar nicht. Kirstein lässt - das Vernünftigste, was Künstler tun können - seine Arbeiten für sich sprechen. Betrachtet man diese Arbeiten, dann findet man sie rasch "ausdrucksvoll", "charakteristisch" in Bezug auf das Thema, "humorvoll" in der Schilderung, "besinnlich" manchmal. Die handwerkliche Könnerschaft ist dabei so souverän, dass sie ganz außer Blick gerät. Kunst als Ausdruckskunst auf der Grundlage handwerklicher Perfektion. Vielleicht ist das die Summe, auf die Kirstein gebracht werden kann. Summen verfehlen aber stets den Kosmos des Einzelnen, hier des einzelnen Werkes. Manche Arbeiten Kirsteins sind so typisch, dass er alleine durch sie materiell überleben könnte, seine naseweise "Nachbarin" zum Beispiel. Genauso aber auch die vielen anderen Szenen aus dem Alltagsleben. Gefährlich, hieraus gleich ein Schema abzuleiten: Kirstein als Genre-Künstlerund Chronist des biederen AIItagslebens. Kirstein geht in anderen Arbeiten ganz andere Wege. Sein Pilger ,Jodokus" beispielsweise ist eine besinnliche Figur. Seine dralle und lebensfrohe "Abundantia" ist ein Stück barocken Überschwanges, eine Hommage an Acim BoIdo, dem surrealistischen Künstler des frühen Barock. Kirstein ist facettenreich. Er bewegt sich zwischen Publikumswunsch und Publikumsgunst und der Freiheit zu freien, eigenen und komplexen Bildideen und Bildvorstellungen. Er muss sich zum einen wie zum anderen nicht zwingen und vergewaltigen lassen. Kirstein hat Interesse an vielen Dingen und verleiht ihnen mit gleicher Zuwendung Form. Was entsteht ist deshalb echt und überzeugt. Öffentliche Ankäufe und private Aufträge sind ein Zeugnis dafür. Kirstein hat sich in der süddeutschen Bildhauerlandschaft einen Namen gemacht. Wer ihn und seine Arbeiten kennt, den kann das nicht überraschen. Wir stoßen dann aber auch auf eine sehr ernste und tiefsinnige Dimension Kirsteins. die hier durch seine Winnender Bronzetür und seine Arbeit "Über die Schwelle" vertreten ist. Bei der Tür treibt er Bibelexegese aIs beziehungsvoIles Relief, und bei der "Schwelle" zeigt er uns eine mumienhafte Figur von großer Eindrücklichkeit. Die Bilder des Lebens - von der Maske des Alltags bis zu Liebe und Freundschaft - erscheinen an der hohen und schlanken Gestalt. Die Hand des helfenden Begleiters (ägyptisches Totenbuch) ist an der Schulter zu sehen. Der Blick reicht schon in eine andere Welt. Die Fotografie zeigt uns mit einem Torbogen und einem Bassin Symbole des Transitorischen. Also nicht nur der heitere, sondern auch der tiefsinnige Kirstein. Dr. Helge Bathelt, M. A.
Arte Liberalis
Martin J.J. Kirstein
Martin J.J. Kirstein lebt und arbeitet in Winnenden
Geboren 1939 in Hamburg. 1955 - 1960 letzter Meisterschüler des Hamburger "Staatsbildhauers" , dem Plastiker Richard Kuöhl. Besuch der Werkkunstschule am Lerchenfeld. Steinmetz- und Bildhauerlehre. 1964 - 1967 Assistent von Prof. Kurt Schwertfeger, Hildesheim. Hinwendung zur Schriftgestaltung, Kalligraphie. 1968 - 1970 Besuch der Meisterschule für Bild­ hauer und Steinmetze in Aschaffenburg. Begegnung mit ErnstVollmer, dem Schriftkünstler. 1970 Übersiedlung nach Winnenden. Übernahme der Steinmetzwerkstatt Diener samt dazugehörigem Steinbruch. Ca. zwei Jahre Werklehrer für die Paulinenpflege Winnenden. 1974 - 1986 stark anteilig in Griechenland tätig als Werklehrer und Bildhauer. Ab 1986 verstärkte Hinwendung zur Plastik. Seitdem zahlreiche Ausstellungen und Aufträge für den öffentlichen Raum. Witz und Poesie in den Plastiken(s. Abbildung) stehen Strenge, Ernstund Kontemplation in den Skulpturen gegenüber. In neueren Arbeiten sieht man den Versuch, beides collagenhaft zu verbinden. *** Das, was in Worten so bildhaft nicht ausgedrückt werden kann: der Kreislauf Werden und Vergehen, ist der Sinn des Lebens. Auf seine Weise will Martin Kirstein diese unsere Daseinsform geistig bewältigen, und er bemüht sich, einen religiösen oder moralischen Gefühls­ zustand künstlerisch, schöpferisch darzustellen. Ob er plastisch, figürlich in Bronze oder stark vereinfachend in Stein arbeitet, alles entspringt seiner Einbildungskraft. Will er mehr beim Inhalt verweilen als bei der Form? Er entscheidet frei über den Einsatz seiner künstlerischen Einfälle. Carlo Abizatti, Locarno 1976, Im "Naturstein" Martin Kirstein ist einer, der weiß, dass er sich zu Recht Bildhauer nennt und der sich doch stolz zu seinem Stein­ metzzeichen bekennt. Vielfach ausgezeichnet, bei Qua­ litätszeichen, Wettbewerben und bei Bundesgarten­ schauen usw. tragen seine Steinarbeiten seine unverkenn­ bare Handschrift. Dass ihm die plastische Arbeit ebenso liegt wie die Skulptur zeigen seine Arbeiten in Bronze. Karl Bauer-Callwey, Verleger Immer auf der Suche nach der perfekten Form Martin Kirsteins Plastikensind in aller Regel in harmoni­ schen Linien realisiert und von großer Schönheit. Seine Formen haben ihren Ursprung in seiner instinktiven Hal­ tung gegenüber der ihn umgebenden Welt, die der Bildhauer exemplarisch und philosophisch in Modelle menschlicher Komik oder Tätigkeiten umsetzt. Mit der Skulptur "Die Nachbarin" z. B. ist es ihm gelungen, das Bild einer über eine Brüstunggelehnten Frau darzustel­ len, die gespannt darauf wartet, Dinge über andere Menschen zu erfahren. Kirstein geht es darum, mensch­ liche Eigenschaften positiv zu interpretieren und hervor­ zuheben... Immer auf der Suche nach der perfekten Form, nach plastischer Dichte und nach wohldurchdachter Einfach­ heit schafft dieser Bildhauer realistische und inhaltlich bedeutende Werke. Guiseppe Bertolazzi Im Bereich der figürlichen Plastik ist Baden-Württemberg, der Wahlheimat Martin Kirsteins, des gebürtigen Ham­ burgers, kein armes Land. Ein Künstler, der sich hier nie­ derlässt und arbeitet und in Konkurrenz tritt, musssich seines Könnens sehr sicher sein. Kirstein trägt diese Sicherheit nicht verbal nach außen. Das entspräche seinem freundlichen, aber etwas spröden Naturell auch gar nicht. Kirstein lässt - das Vernünftigste, was Künstler tun können - seine Arbeiten für sich sprechen. Betrachtet man diese Arbeiten, dann findet man sie rasch "ausdrucksvoll", "charakteristisch" in Bezug auf das Thema, "humorvoll" in der Schilderung, "besinnlich" manchmal. Die handwerkliche Könnerschaft ist dabei so souverän, dass sie ganz außer Blick gerät. Kunst als Ausdruckskunst auf der Grundlage handwerklicher Per­ fektion. Vielleicht ist das die Summe, auf die Kirstein gebracht werden kann. Summen verfehlen aber stets den Kosmos des Einzelnen, hier des einzelnen Werkes. Manche Arbeiten Kirsteinssind so typisch, dass er alleine durch sie materiell überleben könnte, seine nase­ weise "Nachbarin" zum Beispiel. Genauso aber auch die vielen anderen Szenen aus dem Alltagsleben. Gefährlich, hieraus gleich ein Schema abzuleiten: Kirstein als Genre-Künstlerund Chronist des biederen AII­ tagslebens. Kirstein geht in anderen Arbeiten ganz andere Wege. Sein Pilger ,Jodokus" beispielsweise ist eine besinnliche Figur. Seine dralle und lebensfrohe "Abundantia" ist ein Stück barocken Überschwanges, eine Hommage an Acim BoIdo, dem surrealistischen Künstlerdes frühen Barock. Kirstein ist facettenreich. Er bewegt sich zwischen Publi­ kumswunsch und Publikumsgunst und der Freiheit zu freien, eigenen und komplexen Bildideen und Bildvorstel­ lungen. Er musssich zum einen wie zum anderen nicht zwingen und vergewaltigen lassen. Kirstein hat Interesse an vielen Dingen und verleiht ihnen mit gleicher Zuwen­ dung Form. Was entsteht ist deshalb echt und überzeugt. Öffentliche Ankäufe und private Aufträge sind ein Zeug­ nis dafür. Kirstein hat sich in der süddeutschen Bildhauer­ landschaft einen Namen gemacht. Wer ihn und seine Arbeiten kennt, den kann das nicht überraschen. Wir stoßen dann aber auch auf eine sehr ernste und tief­ sinnige Dimension Kirsteins. die hier durch seine Win­ nender Bronzetür und seine Arbeit "Über die Schwelle" vertreten ist. Bei der Tür treibt er Bibelexegese oIs bezie­ hungsvoIles Relief, und bei der "Schwelle" zeigt er uns eine mumienhafte Figur von großer Eindrücklichkeit. Die Bilder des Lebens - von der Maske des Alltags bis zu Liebe und Freundschaft - erscheinen an der hohen und schlanken Gestalt. Die Hand des helfenden Begleiters (ägyptisches Totenbuch) ist an der Schulter zu sehen. Der Blick reicht schon in eine andere Welt. Die Fotogra­ fie zeigt uns mit einem Torbogen und einem Bassin Symbole des Transitorischen. Also nicht nur der heitere, sondern auch der tiefsinnige Kirstein. Dr. Helge Bathelt, M. A
Künstler Arte-Liberalis
Arte Liberalis